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Das atmende Klarsein

Freitag, 2. November 2018, 20 Uhr, Reformierte Kirche Baden

Giacinto Scelsi (1905 – 1988)
Angelus aus «Tre canti sacri» (1958) für 6 Solostimmen

Matthias Ziegler (* 1955)
... una volta già gli ero stato ... (2018, Uraufführung)
Eine musikalische Szene für Bassflöte solo
nach dem Gedicht «Girovago» von Giuseppe Ungaretti und nach der
‹Scala enigmatica› Giuseppe Verdis

Giuseppe Verdi (1813 – 1901)
Ave Maria sulla Scala enigmatica
aus «Quattro pezzi sacri» (1889/rev. 1897) für 4-stimmigen Chor

Luigi Nono (1924 – 1990)
Das atmende Klarsein (1980/83)
für kleinen Chor, Bassflöte und Live-Elektronik
Textzusammenstellung von Massimo Cacciari unter Verwendung von
Fragmenten aus Rilkes Duineser Elegien und aus alten orphischen Blättern

Giovanni Croce (1557 – 1609)
Dialogo de Chori d’Angeli (1586)
aus «Liber secundus Gemmae Musicalis» für 2 Chöre zu 5 Stimmen


Luigi Nono


VOKALENSEMBLE ZÜRICH

Keiko Enomoto, Sopran
Carmit Natan, Sopran
Svea Schildknecht, Sopran
Francisca Näf, Mezzosopran
Ulrike Andersen, Alt
Urs Weibel, Alt
Christophe Gindraux, Tenor
Reto Hofstetter, Tenor
Jean Knutti, Tenor
Othmar Sturm, Bariton
Eric Chopin, Bass
Jean-Christophe Groffe, Bass

Matthias Ziegler, Bassflöte

Peter Siegwart, Leitung

Germán Toro Pérez, Klangregie
Peter Färber, Tontechnik
Eine Zusammenarbeit mit dem ICST Institute for Computer Music and Sound
Technology
der ZHdK, Zürcher Hochschule der Künste


«Das atmende Klarsein» von Luigi Nono ist entstanden als Durchbruch und
Schlüsselwerk auf dem Weg hin zu Nonos letztem Schaffen. Es ist eine aus der
Stille wachsende, beinahe ferne Musik über ein Labyrinth verzweigter und
historisch weit auseinanderliegender Texte aus antiken orphischen Hymnen und
von Rainer Maria Rilke, zusammengestellt von Massimo Ciacciari, dem
Philosophen und Freund Luigi Nonos. Nono nutzte die Elektronik um die Grenzen
des Hörbaren auszuloten und darüber hinauszugehen. Er erfuhr seine Musik als
umfassende Sinneserweiterung, „svegliare le orecchie, la comprensione umana,
l’intelligenza, questo è veramente essenziale oggi“, wie er 1980 schrieb.
Das 45-minütige Werk von Luigi Nono wird in den Kontext unterschiedlicher
Werke gestellt. Die eine Ebene beschwört den ‚Engel’, jenes „stärkere Dasein“
(Rilke), jenes Wesen, „dem die himmlischen Dinge anvertraut sind“ (Cacciari):
Scelsis früher «Angelus» – eine Musik gewordene hell leuchtende Ankündigung –,
Verdis spätes «Ave Maria» – von Verdi auch als ‚sciarada’ (Rätselspiel)
bezeichnet – und Croces «Dialogo de Chori d’Angeli» – eine Raum- und
Zeitöffnung zurück in die polyphone Weite der italienischen Renaissance.
Die andere Ebene lässt als Subtext ein Gedicht von Giuseppe Ungaretti
einfliessen: Matthias Zieglers neues Werk greift die musikalischen Strukturen der
Werke von Scelsi und Verdi auf, führt sie weiter und schafft zugleich eine Brücke
hin zu Nonos Werk.