Konzerte in der Saison 2018



Black Angels

Samstag, 15. September 2018, Historisches Museum Baden
Apéro 19 Uhr, Konzertbeginn 20 Uhr
Historisches Museum, Wettingerstrasse 2, 5400 Baden

George Crumb (*1929): «Black Angels» for electric string quartet (1970)
Steve Reich (*1936): «Different trains» for string quatet ans tape (1988)

Mondrian Trio mit Daniel Meller, Violine

Thomas Peter, Klangregie
Eine Zusammenarbeit mit dem ICST Institut for Computermusic and Sound
Technology
der ZHdK, Zürcher Hochschule der Künste


Mondrian Ensemble: Ivana Pristašovà, Petra Ackermann, Karolina Öhman © Fuentes



«Black Angels» aus dem Jahre 1970 von George Crumb trägt den Untertitel
«Thirteen Images from the Dark Land». Das Werk wurde für elektronische
Instrumente komponiert, die eigens für diese Komposition konstruiert wurden. Das
Mondrian Trio mit Daniel Meller wird das Werk auf akustischen Instrumenten mit
elektronischer Verstärkung aufführen. Das Werk ist datiert mit «Friday the
Tirteenth, March 1970 (in tempore belli) » und ist eine Reflexion auf den Vietnam
Krieg. Crumb bezieht sich in dem Werk streng auf die Zahlensymbolik. Die
dreizehn Sätze drehen sich in Struktur und Instrumentierung um den zentralen
siebten Satz. Die Spieler des Streichquartetts bedienen auch verschiedene
Perkussionsinstrumente und Kristallgläser.

Die drei Sätze von «Different trains» für Streichquartett und Tonband aus dem
Jahre 1988 von Steve Reich lauten «America-Before the War (movement 1)»,
«Europe-During the War (movement 2)» und «After the War (movement 3)».
Als Kind war Reich häufig zwischen New York und Los Angeles im Zug
unterwegs, um seine Eltern, die sich getrennt hatten, zu sehen: „Ich begann mich
zu fragen“, so Steve Reich, „wann habe ich das gemacht? Und: Was war los in
dieser Zeit? Nun, das war 1939, 1940, 1941, und ich fragte mich, was mit den
kleinen jüdischen Jungen los war zu der Zeit, die so alt waren wie ich und in
Zügen aus Rotterdam oder Brüssel oder Budapest saßen und nach Polen
gebracht wurden und nie zurückkamen.“ Er selbst hätte als jüdischer Junge in
diesem Waggons sitzen können, hätte er in Europa gelebt. Auf dem Tonband sind
Aufnahmen von Steve Reichs Kindermädchen Viriginia, von einem ehemaligen
Pullmann-Schaffner, der die Strecke Los Angeles - New York unzählige Male
befahren hatte, und die Stimmen von drei Kindern, die den Holocaust überlebten
und nach Amerika gekommen waren. Schließlich verwendete Reich
Eisenbahngeräusche aus den 30er und 40er Jahren. So entstand ein Werk, das
wie kaum ein anderes Zeitgeschichte des 20. Jahrhunderts in Musik einbindet.




Das atmende Klarsein

Freitag, 2. November 2018, 20 Uhr, Reformierte Kirche Baden

Giacinto Scelsi (1905 – 1988)
Angelus aus «Tre canti sacri» (1958) für 6 Solostimmen

Matthias Ziegler (* 1955)
... una volta già gli ero stato ... (2018, Uraufführung)
Eine musikalische Szene für Bassflöte solo
nach dem Gedicht «Girovago» von Giuseppe Ungaretti und nach der
‹Scala enigmatica› Giuseppe Verdis

Giuseppe Verdi (1813 – 1901)
Ave Maria sulla Scala enigmatica
aus «Quattro pezzi sacri» (1889/rev. 1897) für 4-stimmigen Chor

Luigi Nono (1924 – 1990)
Das atmende Klarsein (1980/83)
für kleinen Chor, Bassflöte und Live-Elektronik
Textzusammenstellung von Massimo Cacciari unter Verwendung von
Fragmenten aus Rilkes Duineser Elegien und aus alten orphischen Blättern

Giovanni Croce (1557 – 1609)
Dialogo de Chori d’Angeli (1586)
aus «Liber secundus Gemmae Musicalis» für 2 Chöre zu 5 Stimmen


VOKALENSEMBLE ZÜRICH

Keiko Enomoto, Sopran
Carmit Natan, Sopran
Svea Schildknecht, Sopran
Franciska Näf, Mezzosopran
Ulrike Andersen, Alt
Urs Weibel, Alt
Christophe Gindraux, Tenor
Reto Hofstetter, Tenor
Jean Knutti, Tenor
Othmar Sturm, Bariton
Eric Chopin, Bass
Jean-Christophe Groffe, Bass

Matthias Ziegler, Bassflöte

Germán Toro Pérez und Florian Bogner, Klangregie

Peter Siegwart, Leitung


«Das atmende Klarsein» von Luigi Nono ist entstanden als Durchbruch und
Schlüsselwerk auf dem Weg hin zu Nonos letztem Schaffen. Es ist eine aus der
Stille wachsende, beinahe ferne Musik über ein Labyrinth verzweigter und
historisch weit auseinanderliegender Texte aus antiken orphischen Hymnen und
von Rainer Maria Rilke, zusammengestellt von Massimo Ciacciari, dem
Philosophen und Freund Luigi Nonos. Nono nutzte die Elektronik um die Grenzen
des Hörbaren auszuloten und darüber hinauszugehen. Er erfuhr seine Musik als
umfassende Sinneserweiterung, „svegliare le orecchie, la comprensione umana,
l’intelligenza, questo è veramente essenziale oggi“, wie er 1980 schrieb.
Das 45-minütige Werk von Luigi Nono wird in den Kontext unterschiedlicher
Werke gestellt. Die eine Ebene beschwört den ‚Engel’, jenes „stärkere Dasein“
(Rilke), jenes Wesen, „dem die himmlischen Dinge anvertraut sind“ (Cacciari):
Scelsis früher «Angelus» – eine Musik gewordene hell leuchtende Ankündigung –,
Verdis spätes «Ave Maria» – von Verdi auch als ‚sciarada’ (Rätselspiel)
bezeichnet – und Croces «Dialogo de Chori d’Angeli» – eine Raum- und
Zeitöffnung zurück in die polyphone Weite der italienischen Renaissance.
Die andere Ebene lässt als Subtext ein Gedicht von Giuseppe Ungaretti
einfliessen: Matthias Zieglers neues Werk greift die musikalischen Strukturen der
Werke von Scelsi und Verdi auf, führt sie weiter und schafft zugleich eine Brücke
hin zu Nonos Werk.




Jeder Augenblick Anfang und Ende

Freitag, 7. Dezember 2018, Historisches Museum Baden, 20 Uhr
Historisches Museum, Wettingerstrasse 2, 5400 Baden

1. Teil
Alfred Zimmerlin (*1955): «Jeder Augenblick Anfang und Ende»
für Marimba solo, (2006-8, 2012) - UA
Martin Lorenz, Marimba

2. Teil
Balz Trümpy (*1946): «Weit weg» für Stimme solo (2014)
Nach Texten von Lisa Elsässer und nach Fragen aus Zeitungen
(Auswahl Claudia Vonmoos)
Eva Nievergelt, Gesang

Die beiden Schweizer Komponisten Alfred Zimmerlin und Balz Trümpy stehen im
Zentrum des letzten Konzerts der Saison 2018. Der Perkussionist Martin Lorenz
hat mit der finanziellen Unterstützung des Aargauer Kuratoriums bei Zimmerlin ein
Werk für Marimba in Auftrag gegeben, das sich zu einem gewaltigen Kosmos
ausgeweitet hat. „Gelebtes Leben und Erinnerung – beides sind unter anderem
Grundthemen meiner kompositorischen Arbeit. So interessieren mich die Zyklen,
die Kreise, Spiralen. «Jeder Augenblick Anfang und Ende» für Marimba solo ist
ein Stück mit 365 Anfängen und Schlüssen (in Schaltjahren 366). An jedem
Aufführungstag hat es eine etwas andere Erscheinungsform. Es ist ein Stück, in
dem das Zeiterlebnis anders ist als in einer nach narrativen Prinzipien auf-
gebauten Form.“ (Alfred Zimmerlin)

Das Alltägliche und das Erinnern ist auch ein zentrales Thema in «Weit Weg» von
Balz Trümpy, das auf Texten von Lisa Elsässer und auf Fragen ausgewählt aus
Tageszeitungen basiert. Die von Eva Nievergelt in Auftrag gegebene Komposition
ist ein Monolog, der auch theatralischen Aspekte beinhaltet.